Als ob Beethoven selbst spielte

Andreas Hering begeistert Publikum mit Energie und Virtuosität

Ganderkesee(pz). (…)Seinen Soloabend beginnt er mit Beethovens Fantasie H-Dur op.77. Da wandert der Komponist durch alle Tonarten in Dur und Moll, bis er endlich nach 160 Takten zu H-Dur findet, und entwickelt bis dahin Nuancen von einem stoischen Adagio über behaglich-heitere Melodienfetzen bis zu feierlich. Andreas Hering vermag hier den Komponisten so authentisch wiederzugeben, dass man diesen förmlich selbst am herrlich klingenden Flügel sieht.

Robert Schumanns Fantasie C-Dur op.17 entstand 1836, als dem 26-jährigen Musiker die Liebe zu der 16-jährigen Clara Wieck untersagt wurde. Wer den unglücklichen Lebenslauf des Komponisten kennt, verspürt hier schon die spätere Schwermut. Aber noch wird sie überlagert von der leidenschaftlichen Liebe zu Clara, verwandelt Zärtlichkeit in ungezähmte Ekstase. Hering weiß seine Energie optimal einzusetzen, so dass bis zum letzten Ton atemlose Spannung herrscht, die dem Pianisten und dem sehr disziplinierten Publikum eine Sternstunde beschert.

Beim Abschluss mit Franz Liszts „Réminiscenses de Norma“ (Oper von Bellini) kann man getrost auf den Opernbesuch verzichten. Andreas Hering brilliert mit einer für Aug’ und Ohr geradezu fassungslosen Virtuosität. Seine tonangebende hämmernde linke Hand schwirrt auf der Tastatur wie ein übergroßer Kolibri, wenn es den denn gäbe. Das zeigt auch das Körperspiel des Pianisten, dem jede Maniriertheit fremd ist. (…)

Itte Jakob, NWZ, 20.1.2014