Klangfülle aus gebündelter Energie

Andreas Hering erwies sich bei „Klassik am Regen“ als wirkungsvoller Ersatz für Ambre Hammond.
Von Ulrich Alberts, MZ

Regensburg. Wegen einer Verletzung an der linken Hand musste die australische Pianistin Ambre Hammond ihr Deutschlanddebüt Ende letzter Woche leider absagen. Als Ersatz konnte Festivalleiterin Elena Nesterenko kurzfristig den Pianistenkollegen Andreas Hering gewinnen.

Als mehrfacher Wettbewerbspreisträger präsentierte er bei Piano Metz neben der C-Dur-Fantasie von Schumann mit entlegeneren Werken von Beethoven, Chopin und Reger zwar kein ausgesprochen populäres, aber nicht minder wirkungsvolles Programm. Für die im Konzertsaal selten anzutreffenden Klavierstücke des Oberpfälzer Komponisten Max Reger scheint Hering eine besondere Vorliebe zu haben. In seiner Darstellung der zu Beginn gespielten fünf Humoresken op. 20 sowie später einer Auswahl aus Regers op. 82 betonte er den etwas herben, mitunter aber auch intimen, sehr persönlich gefärbten Charakter der Stücke, machte auch die kontrapunktischen Fakturen einzelner Sätze deutlich.

Kein Thema für ihn sind technische Anforderungen. Hering ist in der Lage, auszudeuten und zu gestalten. Klangfülle entsteht bei ihm aus gebündelter Energie.

Dies wurde auch bei der Wiedergabe von Ludwig van Beethovens Fantasie op. 77 deutlich. Mit geradezu entfesselter Leidenschaftlichkeit und Spontanität im Ausdruck spielte er das Werk, zeigte in der nachfolgenden Interpretation von Chopins Barcarolle auch sein Interesse für die Feinheiten dieses Stückes. Dem Komponisten Robert Schumann gelang mit seiner Fantasie die Erfüllung der großen Form. Litt das leidenschaftliche Pathos des ersten Satzes noch ein wenig unter zu häufigem Pedalgebrauch, so steigerte sich Andreas Herings Spiel im folgenden zu frappierender Durchsichtigkeit und beredter Tempoflexibilität. Bei den Zugaben stellte er mit zwei glasklar und durchsichtig dargebotenen Sonaten von Scarlatti seine Fingerfertigkeit heraus und führte mit einer Pièce von George Gershwin die Breite seines dynamischen Spektrums sowie seine sportive Agilität vor.

Mittelbayerische Zeitung, 8.9.2010